Tom meets Zizou

So, aus aktuellem Anlass nun mein erstes Review. Es handelt sich um eine Dokumentation. Tom meets Zizou – Kein Sommermärchen. Ich stelle euch den Film vor, weil mit der Fußball Bundesliga gerade wieder der ganz normale Fußball Wahnsinn begonnen hat. Vor der Bundesliga ist also nach dem WM-Hype. Was keineswegs als Abwertung des diesjährigen WM-Titels unserer Nationalmanschaft zu werten ist. Was uns zeitweise während der Spiele in Brasilien geboten wurde war einfach nur ganz großes Kino. Doch sicher haben sich viele Leute, wie ich auch, nach der WM gefragt wie es den jetzt weitergeht. Alles war auch wieder eine großartige Ablenkung vom Alltag. Man ist mit vielen Leuten zusammengekommen und hat etwas zusammen erlebt, konnte sich wochenlang über Fußball erhalten und hatte mit einem gemeinsamen Nenner auch einen gemeinsamen Grund zu feiern. Als alles vorbei war, nach dem gewonnen Finale und dem Empfang unserer Weltmeister in Berlin ging damit auch eine Riesensause zu Ende. Ein erwachen und ein Zurückkehre in den „grauen“ Alltag. Hier und dort noch ein kleines Deutschlandfähnchen, insgesamt aber doch wieder alles wie vorher. Jetzt also wieder Fußball Bundesliga. Endlich!? Der Fußball wird mittlerweile oft als Weltheilbringer gesehen. Das Spiel wird hochsterillisiert und teilweise  sind gute oder schlechte Laune bei vielen Personen abhängig von Sieg oder Niederlage ihrers Liebslingsvereins. Natürlich ist es gut und schön über Fußball zu diskutieren, Bescheid zu wissen über jeden Transfer, jegliche Taktiken vier oder fünfmal zu durchleuchten und sich selbst als Trainer zu fühlen. Es ist ein Thema wo jeder mitreden kann. Vom Manager zum Maurer, vom Arzt zum Barkeeper usw. Es fasziniert und verbindet. Die Fans kommen in die Kurve um ein Gemeinschaftsgefühl zu spüren, das sie oft im Alltag in Arbeit oder Familie so nicht finden. Gemeinsame Gesänge, Zusammenhalten auch bei Niederlagen usw. In der Kurve ist jeder Fan, nicht der eine irgendwie sozial besser gestellt als der andere. Hier geht es um Emotionen. Die haben wir alle. Doch kommen bei jedem Menschen Momente im Leben wo man merkt das es andere Dinge gibt, die wessentlich wichtiger sind als 90 Minuten Bundesliga.

Wenn es nun soweit geht das manche Spieler Morddohungen erhalten weil sie ein Eigentor verursacht haben oder zu einem anderen Verein wechseln, dann hört der Spass am Spiel irgendwo auf. Als sich 2009 Robet Enke, ein begnadeter Torwart aber eben auch ein Mensch, das Leben nahm, sprach man hierzulande viel von einem großen Umdenken. Ganz ehrlich, passiert ist gar nichts im Profisport. Auch wird von Medien und Presse, aber auch von den Vereinen weiterhin viel  Druck in dem Geschäft namens Fußball aufgebaut. Es geht mittlerweile um Geld, viel Geld. Unsummen werden hin- und hergeschoben. Nicht umsonst sprach Jungweltmeister Christoph Kramer  jüngst von einem „modernen Menschenhandel“. Das bekommt der einzelne Sportler, bzw. der Spieler unschön zu spüren. Gestern noch der gefeierte Held, heute schon der Trottel vom Dienst. Ausgepiffen vom eigene Publikum. So schnell geht´s. Klar verdient der heutige Fußballer sehr gut. Der soll gefälligst laufen, der kriegt doch genug Geld. Doch am Anfang einer jeden Profilaufbahn steht die Liebe zu einem Sport, zur Bewegung, dem Kräftemessen, der Leidenschaft zur jeweiligen Sportart. Hier denkt noch niemand ans große Geld. Die abertausenden Trainingseinheiten vor der vermeintlich großen Karriere tut sich nur jemand an, der für den Sport lebt, nicht für das Geschäft.Oliver Kahn, ehemaliger Welttorwart, Champions League Sieger, Bayern München Legende verglich sich in einem Interview mal mit einem modernen Gladiator. Brot und Spiele für das Volk. Geliebt und gehasst von den Maßen zugleich. Das Publikum wie im alten Rom entscheidet über „Tod oder Gladiolen“. Der Profisport, vor allem der Fußball, ist eben mittlerweile eine große Maschinerie. Diese Maschine kann aufbauen und zerstören. Der Erfolg zählt. Wenn der nicht da ist, rollen Köpfe bei Trainern wie Spielern. Hier setzt die Dokumenation über Thomas Broich an. Eine etwas andere Fußballdokumentation:

Der Film Tom meets Zizou begleitet Thomas Broich, der lange Zeit neben Sebastian Deisler als größte Hoffnung für den deutschen Fußball galt. Broich war und ist ein etwas andere Fußballer. Beschäftigt er sich doch privat viel mit Kunst und Philosophie. Auch sein Vorbild Zindedine Zidae war ein Künstler auf dem Platz. Thomas sieht Fußball teilweise auch als einen anderen Ausdruck von Kunst. So spricht er vom perfekten Pass wie von einem guten Musikstück oder wie ein guter Wein, der auf der Zunge zergeht. Er wurde bei dieser Doku 8 Jahre lang, sprich von 2003 bis 2011, vom Regisseur Aljoscha Pause mit der Kamera während ca. 40 Treffen in dieser Zeit gefilmt. Ergänzt wird die Doku durch persönliche Rückblicke, Interviews von Weggefährten und eigenen Analysen des Hauptdarstellers Broich selbst. Dabei wird auch hinter die Kulissen des großen Zirkus Profifußball geblickt, der wir wie oben angesprochen einen großen Teil in userem Alltag einräumen. Allein das ist schon interessant. Ein so noch nie gesehener Einblick in den Profisport und seine fesselende wie zerstörerische Macht. Noch interessanter ist allerdings Broich´s Werdegang während dieser Zeit. Irgendwann stellt er fest das die Welt des Profigeschäfts mit seiner eigenen Welt und seinen Werten kollidieren. Als er 2009 droht, in eine handfeste Depression zu schlittern, fasst er einen Entschluss. Weg von Deutschland ab ins Ausland, nach Australien, zurück ins Leben finden und zum Fußball als Spiel an sich zurückzukehren um sich mit seinem Lieblingssport auszusöhnen. Beides ist ihm dort gelungen. Ein wirklich tolles Dokument, über Wendungen im Leben, wichtigen Werten, dem Spass im Sport, das unbedingte sich selber in Frage stellen und das Ankommen bei sich selbst und im eigenen Leben. Mit 2 Stunden und 15 Minuten eine langwierige Angelegenheit, die aber nicht zuletzt duch wunderschöne Aufnahmen aus der australischen Wildnis durchaus kurzweilig herüberkommt. Dazu gibt es noch den wunderbaren Soundtrack von Roland Meyer de Voltaire, der für die richtige Musik zu den jeweiligen Filmmomenten sorgt.

Als Vorgeschmack hier ein kleiner Trailer. Den Film gibts mittlerweile auf Bluray/DVD, aber noch viel wichtiger natürlich längst als Stream im Internet.

Wer danach noch Lust auf eine weitere gute Fußball Doku hat der sollte sich Memeth Scholl – Frei Gespielt anschauen. Auch ein echter Leckerbissen.

Für Bücherwürmer sei die Biographie von Roland Reng über das Leben von Robert Enke zu empfehlen. Teilweise hat Robert das Buch autobiographisch selbst mitverfasst. Der Titel des Buches: Robert Enke – Ein allzu kurzes Leben

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2 Gedanken zu “Tom meets Zizou

  1. Sehr gut geschrieben! Ich bin auch der Meinung, dass beim Sport vor allem Freude und Fairness im Vordergrund stehen sollten. Wie man bei der WM gesehen hat, haben Sportereignisse die Kraft Massen zu bewegen. Wie schade ist es, wenn das in die negative Richtung geschieht?! Deshalb vielen Dank für den Beitrag!

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    • Sehr gut kommentiert Marion. Genau, Freude und Fairness dürfen bei aller Rivalität und allem Kampf nie zu kurz kommen. Wie alles seine Lichtseiten hat, hat auch der Sport, v.a. der Profifußball, seine Schattenseiten. Ich glaube Menschlichkeit und Marktwert müssen sich wieder mehr die Waage halten, sonst gibt es irgendwann einen großen Knall. Danke dir für das Lob und vielen lieben Dank für deinen Kommentar!

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