Kofelgschroa – ZAUN

Jetzt ist es also draußen, das neue Kofelgschroa Album. Der heiß erwartete Nachfolger des damals wie ein Komet in einem Gerstenfeld eingeschlagenen selbstbetitelten Debüt´s.

Erster Eindruck nach dreimaligem Hören : Die Hammersongs kommen mit dem „10minutentankt“ und dem „Takatukatrip“ gleich am Anfang.

Zumindest sind es die Lieder, die gleich beim ersten Hören ins Ohr gehen.

Doch da kommt natürlich noch was. Das bisher melancholischte was ich von Kofelgschroa bis jetzt gehört hab, ist das Lied „Bladl“, welches ich hier auf meinem Blog schon präsentiert habe. Die Albumversion ist noch intensiver, weil dem Lied ein sehr schön gespieltes Intro vorausgeht.

Ein weiterer Anspieltipp ist der „Mainzelmo“. Am Anfang noch gedacht, wer oder was den hier gemeint ist, wird es im Lied schnell klar. Ein Mainzelmännchen natürlich. Hier greift der allzu typische Kofelgschroa Humor, den man schon zu Genüge vom ersten Album kennt.

Wenn also mal wieder die komplette Bude Kopf gestanden hat und ordentlich auf den Putz gehauen wurde, bloß natürlich zum Aufräumen alle den Ort des Geschehens verlassen haben, dann legt man sich gemütlich auf´s Kanapee und wartet auf den Mainzelmo.

Gleiches gilt, wenn man sich gerade eine miese Erkältung oder andere unschöne Gemütszustände eingefangen hat 🙂

Zitat aus dem Mainzelmo:

„Krankheiten gibt´s wie Sand am Meer,

wo kimmt der Scheiß scho wieda her?

Wer bloßt den Sand den zu mir her?

Krankheiten gibt´s wie Sand am Meer.

I mach die Augn einfach zua,

jetz hob i vom Verhau a Ruah,

lass mi feun auf mei Kanapee

und es is schee.“

Im Titelsong „Zaun“ wird über denselbigen sinniert. Ein Zaun, wie er trennt und abgrenzt, wie er einschränkt aber auch Intimes bzw. Privatssphäre schafft. Doch die Kernaussage ist, das ein Zaun vor allem begrenzt

Zitat aus „Zaun“:

„Begrenzter Garten,

begrenztes Feld,

begrenztes Leben,

begrenztes Geld“.

Auf der CD finden sich auch allesamt wunderschöne Instrumentalstücke, die entweder komplett ohne Text oder eben mit einem kurzen Abschlusstext kurz vor Spielende umrahmt werden („Sieben, Wie´s Sein Wird, Zahnputz Walzer, Leit do“).

Das kennt man ja schon vom Debütalbum und es ist richtig, das die Jungs ihre Weg der konsequenten Spielweise weitergehen, da ein Instrumental oft so viel mehr sagen kann als ein Song der komplett mit Lyrics vollgepackt ist.

Trotzdem ist festzustellen, das im Gegensatz zum Vorgänger diesmal nicht mit Text gespart wurde. Klar gibt es wieder viel Textwiederholung, vor allem im genialen Lied „Hausnamen“.

Dieses ist vollgepackt mit Hofnamen aus Oberammergau und baut solange Spannung auf, bis der ganze Song schließlich ineinander verschmelzt.. Wer gedacht hätte, das sich Namen wie „Ochsawuisla“ oder „Kileffala“ niemals für einen Mantragesang eignen würden, der sieht sich hier eines besseren belehrt.

Die restlichen Lyrics allerdings sind sehr abwechslungsreich und erzählen oft eine ganze Geschichte (deshalb wurde dankenswerterweise auch jedem Album ein Textbladdl (Booklet) beigelegt, auf dem die Lyrics für jeden, egal welche Sprache man spricht, abzulesen sind).

Da für das Debütalbum ja quasi das ganze vorhergehende Leben Zeit war, und darauf viel Textwiederholung aber wenig Geschichten zu finden waren, dieses Album aber in kürzerer Zeit fertiggestellt wurde, kann man hier bezüglich der Lyrics durchaus von einer enormen Weiterentwicklung sprechen.

Abschließen tun die vier Burschen aus dem Ammergau ihre CD mit „Abendcabaret“. Das ist wohl wahrscheinlich auch die Vorgabe, wie die Jungens in Zukunft ihre Live-Show bezeichnen wollen. Schlicht und einfach ein gutes und ehrliches, aber durchaus unterhaltendes „Abendcabaret“.

Dieser Outrosong trägt viel Ironie in sich, da er aus der Sicht eines Büroarbeiters erzählt wird. Er klagt zwar über seine Arbeitssituation, ändert aber nicht´s daran, weil er sich doch als Ehrlichverdiener sieht, im Gegensatz zu den Leuten vom Abendcabaret, die ja dann irgendwann schon schaun werden wo sie bleiben, außerdem wüsste er ja gar nicht was er dann am Tag vor seinem Auftritt im „Abendcabaret“ machen würde, bis 11 Zeitung lesen, und dann…?

Auf alle Fälle kann ich die zweite Kofelgschroa-CD uneingeschränkt empfehlen. Es ist immer interessant, das zweite Album einer mittlerweile doch recht erfolgreichen Band zu hören, wo doch ihr Bekanntheitsgrad durch ihren Kinofilm und ihre großen Welttourneen mittlerweile auf einem ganz anderen Level angekommen ist.

Doch mit jedem Bekannterwerden steigen auch die Ansprüche. Die Ansprüche derer, die sich wünschen, das es ewig so weitergeht wie auf dem Debütalbum, genauso wie die Ansprüche derer, die sich wünschen, das sich die Band jetzt komplett neu erfinden muss. Genau darin liegt die Krux eines jeden zweiten Albums!

Fazit: Kofelgschroa spielt weiter mit viel Freude auf ihren wunderschönen einfachen, alten Instrumenten, mit Herz, Luft, Liebe und uneingeschräkter Naivität, wie sie wohl nur aus einer speziellen Gegend wie dem Ammergau kommen kann. Auch bzw. zum Glück, wird weiterhin auf jegliches Hochdeutsch in den Texten verzichtet, was der CSU und ihrem „Deutschssprachüberwachungsstaat“ nicht gerade zuträglich sein dürfte.

Die möchten einfach nur Musik machen, egal woher sie kommen!

Das schönste Liebeslob gelingt wohl im Song „Revier“

Zitat:

„…du bist besser als jede Halbe die ich trank,

an düsteren Tagen auf meiner Bank“

Viel Spass beim Hören,

Kofelgschroa im Interview (Bayerisches Fernsehen) vom 04.11.2014

10MINUTENTAKT (Eingangslied zum ersten Album)

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