Abschied / Anfang

„Von dem, was du erkennen und messen willst, mußt du Abschied nehmen, wenigstens auf eine Zeit. Erst wenn du die Stadt verlassen hast, siehst du, wie hoch sich ihre Türme über die Häuser erheben“

Friedrich Nitzsche

„…Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“

Hermann Hesse

Die Frage die sich jeder einmal stellt lautet „Bleiben oder Gehen“?. Jeder hat schon mal vor so einer Entscheidung gestanden. Breche ich auf und gehe oder bleibe ich hier und stehe? Darauf gibt es keine richtige Antwort! Manchmal ist es wichtig an Ort und Stelle auszuhaaren, sich bestimmten Sachen zu stellen und eine Situation druchzu“stehen“. Auf der anderen Seite ist es manchmal wichtig einen Umbruch zu wagen, zusammenzupacken und weiterzuziehen.

Wichtig ist nur, nicht von seinem Selbst, also sich selbst davonzulaufen. Den egal wohin ich gehe auf dieser Welt, ob Nord- oder Südpol, ob neue Stadt, neues Land, neues Leben. Ich selbst habe mich immer dabei. Mit allem was ich bin, wer ich bin und wo ich herkomme. Nur wenn ich mein Selbst mitnehme hat der Aufbuch seinen Sinn. Anders geht es nicht.

Womit wir wieder beim Bleiben wären. Oft hat man das Gefühl das man irgendwo irgendwie und irgendwann an einem bestimmten Ort nicht mehr klarkommt. Doch liegt es dann wirklich an den Umständen, an der Umgebung, an den Menschen in meiner Nähe das es nicht mehr passt.

Oder aber passt bei mir selbst, bei meinem Selbst im Moment was nicht? Wenn ja, dann habe ich die Macht dazu, etwas daran zu ändern. Die Dinge an sich werden sich nicht ändern. Manchmal stelle ich dann fest, das es doch gut ist, wie es ist, nur eben muss an einer Kleinigkeit etwas getan werden um wieder einen gewissen Wohlfühlfaktor zu erreichen

Deswegen gibt es keine Antwort auf diese Fragen, sondern nur ein Gefühl welches mir sagt „Geh“ oder „Bleib“.

Bei all dem sollte noch berücksichtigt werden das ein Aufbruch kein endgültiger Abscheid sein muss. Eine Rückkehr ist nicht ausgeschlossen. Manchmal schadet es nicht rauszugehen, vor die Tür zu treten und loszuziehen. Später, wenn man wieder zurückkommt, hat man oft eine klarere, weitere Sicht auf manche Dinge. Da geht es auch um Wertschätzung und Verwurzelung.

Ich betrachte diese Fragen auch als Luxus. Den ich bin ein freier Mensch und kann bleiben oder gehen wie, wann und wohin ich will.

Sich daheim fühlen und heimtalos sein!

Es stellt sich die Identitätsfrage!

Abertausende Menschen die gerade neu nach Deutschland kommen, durften sich die „Gehen“ oder „Bleiben“ Frage nämlich überhaupt nicht stellen. Sie wurden quasi gegangen. Heimatlos und Entwurzelt. Jetzt sind sie hier.

Gekommen um zu bleiben? Wer weiß das schon. Der einzelene würde wohl sagen, wie jeder von uns, dass es hier und da zwar schön ist, doch da von wo man hergekommen ist doch „Heimat“ war.

Wieso? Weil man ein Umfeld hatte, sich wohlgefühlt hat, Arbeit hatte, eine eigene Kultur hatte, einen Freundeskreis hatte, Leben durfte. Genau deshalb. In diesen Themen sind wir alle einer Meinung.

Wer zu oft umzieht oder umgezogen wird, der fühlt sich nicht mehr wohl. Nur neue Kleidung zu tragen und nie die Bequemlichkeit und die Geschichte von getragener Lieblingskleidung zu spüren, das macht auf Dauer kein gutes Gefühl.

Wir sind und bleiben Bequemlichkeitstiere. Was an sich sehr gut ist. Wir suchen uns eine Herde, in der wir uns wohlfühlen, lassen uns wo nieder, wo wir uns wohlfühlen und können von uns behaupten „daheim“ zu sein.

Doch hier steht am Anfang eben das „Suchen“. Im Suchen allein steckt der Aufbruch. Wer anfängt zu suchen, der bricht auf. Dort wo ich alle und alles kenne werde ich an sich nicht neues finden. Dafür muss ich Ort und Stelle verlassen und mich auf eine gewisse Ungewissheit einstellen. Ein Abenteuer. Wie´s war wissen wir im Nachhinein. Doch wagen müssen wir es. Wir können nicht ankommen ohne aufzubrechen!

Zu guter Letzt möchte ich noch auf die melancholische Seite des Abschieds / Anfangs aufmerksam machen. Wir sind einfach so gepolt, das wir an manchen Sachen hängen.

Wenn dann die Stund des Abschieds von einem bestimmten Ort kommt, dann erinnern wir uns nochmal an all die Dinge die wir an dieem Ort erlebt haben. Der Ort unserer Jugend zum Beispiel. Die Nachbarskinder. Die Abermillionen Stunden die wir auf der Straße, im Garten, im Haus, an besonderen Orten unserer Heimat verbracht haben.

Wie wir gemeinsam gespielt, gelacht und geweint haben. „Best friends forever“ und was wir uns damals nicht alles geschworen haben. Der erste Kuss. Die erste Liebe.

Die Natur, die Umgebung, die Menschen die wir so lieb gewonnen haben. Das dankbare Gefühl zu haben, einen Ort zu kennen, der so tief mit uns selbst verbunden ist.

Das ist ein bewusstes Abschied nehmen. Sich hier einen ruhige Minute, Stunde oder sogar einen ganzen Tag geben um dem allen zu Gedenken um dann ohne Reue aber gern mit Wehmut loszulassen.

Auf ewig tragen wir manche Orte in unseren Herzen und gewinnen durch den Aufbruch neue Orte hinzu, die uns ein Leben lang begleiten werden. Nicht wie ein angehängeter Stein sondern wie ein treuer Freund oder eine Freundin, der immer bei einem ist, und an den man sich immer wieder träumen und erinnern kann.

Abschließend präsentiere ich ein paar Musikstücke, die gut zum Topic passen.

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