Stevie G – Legend of Liverpool F.C.

Born to be Red

Mit Steven Gerrard verabschiedet sich einer der letzten wirklich authentischen Fußballspieler unserer Zeit von der großen Bühne. Sehr schade. Ich hätte ihn gerne nochmal live spielen sehen.

Doch mit seinem bestätigten Wechsel zu Los Angeles Galaxy zur nächsten Saison wirft er nach 26 Jahren bei den „Reds“ in Liverpool nun endgültig das Handtuch. „Once a red, always a red“. Im Herzen. Für immer. Natürlich.

Tragödien und Wunder, Höhen und Tiefen, alles, aber auch wirklich alles war dabei in diesen 26 Jahren Steven Gerrard Liverpool F.C. Kapitän.

Wenn man die Karriere von Steven betrachet so muss man auch die Verbindung zwischen Liverpool und seinem Fußballclub betrachten. Es gibt das eine ohne das andere nicht. Undenkbar!

Deshalb ein kurzer Überblick über den Liverpooler Fußballwahnsinn:

„You´ll never walk alone“, so steht geschrieben über den Shankly Gates, am Eingang zur „Anfield Road“, der Heimtat des Liverpooler F.C.Wenn man hier also im Stadionrund steht, am besten im Kop , der Fankurve von „Anfield“, und gemeinsam mit den anderen „Kopites“ die Liverpool Hymne schmettert, dann stellt es einem die Nackenhaare bis zu den Ohrenspitzen auf.

Da es mir schon am Fernsehen oder am Laptop beim Gucken von Liverpool Spielen oder Filmen etwaige Härchen in die Länge zieht wenn die „Anfield Road“ zur Höchstfrom aufläuft, will ich das gut und gerne glauben und hätte es wie oben angesprochen gerne einmal selber erlebt. Mit Steven versteht sich, der mit der Binde seine Mannschaft aufs Feld führt. Dafür bleibt ja quasi noch ca. eine viertel Spielzeit.

Steven ist ein „Scouser“. Dieser Begriff steht für jemanden, der den „Scouse“ Dialekt spricht. Ein spezieller Dialekt der in der Metropolregion Merseyside rund um Liverpool gesprochen wird. Wer jetzt eins und eins zusammenzählt der kommt darauf, das Steven ein „Liverpooler“ Jung ist. So wie in unseren Gefilden z.B. Manuel Neuer im Herzen wohl immer ein „Schalker Jung“ bleiben wird.

Einer der von ganz untern nach ganz oben gekommen ist und trotzdem nie vergessen hat, wo er herkommt. Kein Märchen. Eher eine Arbeitergeschichte bei Steven und dem Liverpooler F.C. .

Dabei wäre es beinahe nie zu dieser perfekten Liason gekommen. In jungen Jahren, als der Fußball noch in kaputten Hinterhöfen oder mehr schlechten als rechten Rasenersatzplätzen ausgetragen wurde kam es zu einem Zwischenfall, der Steven beinahe seine rechte große Zehe gekostet hätte.

Als er uns deine Freunde nämlich wie fast jeden Tag stundenlang auf einem halbwegs angemessenen „Grün“ in der Nähe des Hauses der Gerrard´s legendäre Fußballklassiker nachspielten verschwand der Ball in einem Feld voller Brennessel.

Steven wollte den Ball schnell aus den Nesseln raustreten als er plötzlich einen heftigen Widerstand an seinem rechten Fuß spürte. Dem folgte ein stechender Schmerz, der so brutal gewesen sein muss, das er nicht mehr spüren konnte ob er überhaupt noch irgendetwas fühlte. Als sein Kumpel seinen Fuß rauszog, wurde dieser käseweiß im Gesicht und musste sich beinahe übergeben.

In Stevens rechter großer Zehe steckte eine verrostete Gartenharke, die antscheinend jemand im Brenneselfeld entsorgt hatte.

Es folgte ein einwöchiger Krankenhausaufenthalt an dem am Ende die Frage stand ob es nicht besser wäre den rechten Zeh zu ampurtieren, wegen der Gefahr einer Blutvergiftung durch den Rost in der Forke.

Am Ende wurde entschieden den Fuß ganz zu lassen. Was dür ein Glück. Für Steven. Für Liverpool. Für den Fußball. Für Uns!

Es gibt da noch ein zweites Erlebnis welches Steven unweigerlich mit dem F.C. Liverpool verbindet. Die Katastrophe von Hillsborough am 15.04.1989. Dort kam es bei einem Spiel zwischen Notthingham Forest und dem Liverpooler F.C. zu einem Zwischenfall auf den Zuschauerrängen in desen Folge 96 Tote und 766 Verletzte zu verzeichnen waren. Es war das Halbfinale des englischen FA-Cups (unserem DFB-Pokal ähnlich).

In den Block, der für die Liverpool Fans vorgesehen war wurden nach Spielbeginn von den Ordnungskräften noch viel zu viele Leute reingelassen. Das hatte zur Folge das die Fans, die vorne plaziert waren, gegen die Absperrungen gedrückt wurden und teilweise zu Tode getrampelt wurden. Die Katastrophe wurde erst spät bemerkt, da die meisten Leute bereits dem laufendem Spiel folgten. Als die ersten begannen in Todesangst über die Zäune zu klettern wurde das Spiel abgebrochen.

In ersten Untersuchungen wurde die Katastrophe komplett den Liverpool Fans angelastet. Das das so nicht stimmte konnte allerdings in späteren Untersuchungen bestätigt werden. Einen großen Anteil an der Katastrophe hatten ebenso Polizei und Ordnungskräfte wegen Öffnen des Fanblocks obwohl dieser schon überfüllt war und anschließendem Nichtöffnen der Absperrungen zum Spielfeld hin die für eine Entlastung des Staus gesorgt hätte.

Auf jeden Fall war unter den 96 Toten auch ein gewisser Jon-Paul Gillhooley, der Cousin von Steven Gerrard und zugleich sein bester Freund in diesen Tagen. Mit diesem hatte er unzählige Mal selbst in der „Kop“ Kurve gestanden und dem Liverpooler F.C. angefeuert.

Jon-Paul war in letzter Sekunde an eine Karte für das Halbfinale gekommen und somit unausweichlich in die Katastrophe geraten.

Die zwei Fackeln und der Schriftzug „You´ll never walk alone“ wurden übrigens erst nach dieser Katastrophe fester Bestandteil des Liverpool Logos, das bis heute so besteht.

22 Tage später entscheid Liverpool die Wiederholung des Halbfinales für sich und gewann anschließend im Finale 3:2 gegen den F.C. Everton den FA-Cup.

Bis heute gibt es Kontroversen über die Aufarbeitung der Katastrophe. Fakt ist aber das ganze Familien an diesem einen Tag auseinandergerisse wurden.

Ein weiterer schwerer Schlag für die „Kopites“, also die Anhänger des Liverpooler F.C. war eine unvergleichliche Hetzjagd der englischen Boulevardpresse gewesen:

Bis heute ist die auflagenstarke „Sun“, vergleichlich mit unserer „Bild“ Zeitung, deshalb ein nicht gern gesehenes Blatt auf Liverpooler Frühstückstischen.

Zur damaligen Zeit veröffentlichte die Zeitung unter der Überschrift „The Truth“ („Die Wahrheit“) einen Bericht, der besagte, Liverpooler Fans hätten während der Katastrophe Einsatzkräfte an der Hilfe für die Verwundeten, Toten und Verletzten gehindert. Außerdem hätten gewisse Anhänger die unten liegenden Leute bestohlen und sogar teilweise auf diese uriniert.

Kein dieser Vorwürfe war in irgendeiner Form jemals haltbar gewesen. Im Gegenteil, wie oben angesprochen ist mittlerweiel ermittelt, das die Ordnungshüter die Hauptschuld an der Katastrophe tragen. Erst 15 Jahre später konnte sich die „Sun“ zu einer Entschuldigung für den damaligen Bericht durchringen. Für viele kam das zu spät. Sie hatten nicht nur Familiemitgleider verloren, sondern mussten sich auch noch jahrelang für nicht haltbare Vorwürfe aus der Presse verteidigen.

Der damalige Chef der Sun, Calvin MacKenzie, lenkte ein, das der Bericht wohl eher unter der Überschrift „The Lies“ (Die Lügen) statt unter dem Titel „The Truth“ („Die Wahrheit“) erscheinen hätte sollen. Allerdings sprach er sich nie gegen die damalige Veröffentlichung des Berichts aus und beteuerte, das er es heutzutage genauso machen würde.

Seitdem wird in jedem Jahr zum Tag der Katastrophe wird ein Gottesdienst und eine Gedenkfeier für die Opfer und Hinterbliebenen der Hillsborough Katastrophe in Liverpool abgehalten.

Steven hat seit diesem Tag ein jedes seiner Fußballspiele in Gedanken an seinen geliebten Cousin gespielt. Das konnte ich aus der Biografie „Gerrard – My Autobiography“ entnehmen.

Die Biografie kann ich übrigens nur jedem empfehlen, da hier auch die weiteren Werdegänge von den ehemaligen F.C. Bayern Spielern Dietmar Hamman und Markus Babbel beschrieben werden, die mit Liverpool ebenfalls große Erfolge feiern konnten und von Gerrard in den höchsten Tönen für ihre Einstellung auf und neben dem Plat gelobt werden.

So war das Liverpool F. C. Drehbuch für Steven nach den Schicksalsschlägen mit seinem Fuß und seinem Cousin nun also umso intensiver mit Gefühlen und Emotionen aufgeladen. Das sollte sein Spiel auf dem Platz von diesen Tagen an gewaltig prägen.

Den letzten Ausschlag für die Karriere bei Liverpool gab Stevens Vater, Paul Gerrard. Selbst ein glühender Anhänger der „Reds“, impfte er seinem Sohn früh das selbe Gen ein. Klar hatte Steven in jungen Jahren auch Trikots von Everton, ManU, Arsenal oder Chelsea in seinem Besitz. Doch seine Treue und Liebe galt seit jeher der „Anfield Road“.

Fußballerisches Können gepaart mit einer ordentlichen Portion Ehrgeiz und seinem körperbetonten Spiel bescherrten Steven also am 29.11.1998 seinen ersten Einsatz in einem Premier League Spiel, als er gegen die Blackburn Rovers (2:0) kurz vor Schluss eingewechselt wurde.

Nach frühen Erfolgen wie dem Gewinn des „Triples“ im Jahr 2001 (Uefa-Cup, FA-Cup, Ligapokal) und entscheidenen Treffern verlängerte Steven seinen Vertrag frühzeitig um weitere 4 Jahre bei Liverpool.

2003 übernham er das Amt des Kapitäns und führte seine Mannschaft fortan als Leader auf das Feld der „Anfield Road“.

Ebenso gab Gerrard alsbald sein Debüt bei den „Three Lions“, der englischen Nationalmanschaft. Diese Karriere dauerte bis letztes Jahr an als er nach dem Ausscheiden bei der WM in Brasilien sein Nationalmanschafts Karriereende verkündete. Im Nationalteam konnte Gerrard wie viele seiner Teamkollegen der goldenen Generation von England (Beckham, Scholes, Owen, die Neville Zwillinge, Shearer, Gascoigne usw.) im Gegensatz zu Liverpool keine großen Titel erringen.

Zwischendurch wollte man Gerrard immer wieder von Liverpool weglotsen, vor allem der damalige Chelsea Trainer José Mouhrinio zeigte immer wieder großes Interesse für den Mittelfeldmotor und winkte mit den Abramowitsch Milliarden rüber an die „Anfield Road“.

Das Steven damals nicht zu Chelsea wechselte, wird im bis heute hoch von den Liverpool Fans angerechnet.

Im Jahr 2005 wurde Steven mit für einen Mittelfeldspieler beeindruckenenden 33 Pflichtspieltoren zum „Uefa Fußballer des Jahres“ gekürrt.

Im Jahr 2006 gelang Steven erneut der Gewinn des FA-Cups mit dem Liverpooler F.C. als er fast im Alleingang einen 2:1 Rückstand gegen West Ham in ein 3:2 drehte und dabei selbst zwei Tore beisteuerte.

Nächster Höhepunkt war der Gewinn der Champions League in der Spielzeit 2006 / 2007. In dem bis heute unglaublichem Finale gelang dem F.C. Liverpool ein bis dahin einzigartiges Comeback als man in 45 Minuten einen 3:0 Rückstand gegen den A.C. Mailand wettmachte und am Ende schließlich das Spiel im Elfmeterschießen für sich entscheiden konnte. Den wichtigen Anschlußtreffer zum 3:1 kurz nach der Halbzeit besorgte Gerrard per Kopf selbst.

2008 erzielte Gerrard seinen 100 Treffer für den F.C. Liverpool in einem Spiel gegen Eindhoven.

Es folgten Jahre auf Jahre in denen Stevens Vertrag immer wieder verlängert wurde und in denen der F.C. Liverpool immer wieder an Europas Fußballkrone kratzte, manchmal nur um in nervenaufreibenden Spielen minimal am Wiederholungserfolg vorbeizuschlittern.

Das einzige was Steven immer verwehrt blieb ist der Gewinn der englischen Meisterschaft.

in der vorangegangenen Spielzeit, also 2013/2014, wurde dieses letzte Ziel haarscharf verpasst. Wie passend in dieses Fußballerleben voller Tragödien und Dramen war Steven selbst Hauptdarsteller in diesem Spektakel. Am vorletzten Spieltag, als der F.C. Liverpool die erste Meisterschaft nach 24 Jahren auf dem Fuß hatte, blieb Gerrard im Rasen hängen und leitete unfreiwillig die 0:2 Heimniederlage gegen die „Blues“ vom F.C. Chelsea ein.

Dadurch konnte sich Manchester City und nicht der Liverpooler F.C. die englische Meisterschaft am letzten Spieltag der Premier League sichern.

Am 02.Januar dieses Jahres ließ Gerrard den Verein und die Fans wissen, das es keine Vertragsverlängerung mehr geben werde und er den Verein zur neuen Saison nach Los Angeles verlässt.

Was bleibt sind seine überragende Schußtechnik, sein kampfbetontes Spiel (Mann gegen Mann, Körpereinsatz bis zur letzten Sekunde, Tacklings die die Gegener mitsamt Ball wie ein Messer wegrasieren) und einfach seine Leidenschaft und Hingabe mit der er den Fuball an der „Anfield Road“ zelebriert hat.

Privat ist Steven übrigens mit Alexandra „Alex“ Curran glücklich verheiratet. Komplettiert wird die Familie durch deren beiden Töchter Lexie und Lilly-Ella.

Am Schluss noch ein paar persönliche Worte an Steven:

Thank´s a lot Steven. Gern hätte ich einen Karriereausklang bei meinem Verein Bayern München von dir gesehen. Deine Maxime „Einmal Rot, immer Rot“ hätte dabei in eine neue Runde gehen können und mit Xabi Alonso hättest du einen ehemaligen Teamkollegen wiedergetroffen 😉

Außerdem hätte sich dadurch ein Kreis geschlossen, den du gemeinsam mit deinem Lieblingsmittelfeldkollegen „Didi“ Hamman gegangen bist.

Auf alle Fälle viel Glück in Big „USA“.

Deine Biografie hat bewiesen, das du auch menschlich ein absoluter „Top Lad“ bist.

Und sei verdammt noch mal nicht jedes mal so hart zu dir. Wie oft musste ich in deinem Buch lesen du hättest die Fans enttäuscht, deine Familie, ect. Mumpitz! Ganz im Gegenteil, mit deinem Feuer und deiner Leidenschaft hast du große Dinge vollbracht! Du hast gezeigt, das es wichtig ist, wieder aufzustehen und weiterzumachen!

Das hat mich irgendwie an mich selbst erinnert. Vielleicht macht es mich deshalb auch so wütend. Wir dürfen „damned“ nochmal nicht so hart zu uns selbst sein!

Das Leben ist es manchmal schon genug!

Zum Schluss präsentiere ich noch ein paar Youtube Videos die Steven in seinen größten Momenten zeigen (zu großen Momenten zähle ich Momente der Stärke gleichermaßen wie Momente der Schwäche).

Viel Spaß mit Steven!

Flow

Funny Interview with a Kid

Steven with Tears in the end of an Interview after he revealled that he´s leaving Liverpool

Tribute

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