Peter „Pete“ Doherty

Wer ist Peter Doherty?

Die meisten kennen ihn wohl als den beschrieben unbelehrbaren Rüpel und Junkie aus der Presse, dessen Gesicht wohl schon in jedem schmierigen Skandal- und Boulevardblatt dieser Welt zu sehen war.

Andere sagen er ist verdammt nochmal der letzte Rockstar, für den „Sex, Drugs and Rock and Roll“ nicht nur irgendeine Phrase ist, sondern eine Lebenseinstellung bedeutet, für die man gefälligst einzustehen hat.

In beidem steckt ein Fünkchen Wahrheit. Pete hat sicherlich selbst seinen Teil dazu beigetragen, mehr durch seine Skandale auf sich aufmerksam zu machen als durch seine musikalischen Kunststücke.

Vielleicht ein kleiner, faszinierender Überblick (ohne das große tam tam von gewissen Boulevardzeitungen):

Pete ist heroinabhängig. Ganz offensichtlich und offensiv. Genau das ist das Problem. Wobei natürlich die eigentliche Drogenabhängigkeit an sich schon einige Probleme mit sich bringt.

Doch wo andere Stars und Künstler ihre dunkle Seite so gut wie möglich versuchen zu kaschieren (was im heutigen I-Phone und Youtube Zeitalter kaum mehr möglich ist) scherte sich Pete von Anfang an einen Scheißdreck ob er jetzt clean oder unter Drogen an der unvermeidbaren Öffentlichkeit als Musiker teilnimmt.

Was einerseites ja sogar heißt, das er sich sehr bewusst ist, welchen Eindruck er damit erweckt, damit aber nicht hinter verschlossenen Türen halten will. Das rechne ich ihm positiv an. Jetzt schreien sicher viele, wie kann man dem jemand hoch anrechnen, das er bewusst unter Drogen an unserem heile Welt Leben teilhaben will?

Meine Damen und Herren. Das ganze Musiker und Stargeschäft ist zu großen Teilen drogenverseucht. Die Dunkelziffer will ich gar nicht wissen. Pete ist einer von vielen, doch gibt er es quasi offen zu. Why not?

Lieber weiß ich woran ich bin bevor ich mir beim zufälligen Zappen auf den Musikantenstadel ganz offensichtlich die Frage stellen muss, ob ich der einzige bin, dem die verkoksten und vom Alkohol geröteten Nasen der Volksmusiksstars auffallen?

„Fensterln, Schnupfen, Volksmusik“ ist hier wohl das Credo. Aber nach außen hin über die heile Bergwelt, die unendliche Liebe und den blühenden Enzian singen!

Die, die sich tatsächlich schämem sollten sind die, die Pete Doherty bei seinen Drogenexzessen auch noch zujubeln und seine Drogensucht befeuern. Nach dem Motto: „Gut gemacht Pete, wenn du den „Goldenen Schuss“ haben willst, gib einfach bescheid ja, damit wir möglichst viele Fernseherkameras dazuholen können“.

Dieses Aufgeilen der Presse und ihren Lesern am Niedergang junger Menschen, die mit sich und unserer Welt nicht klarkommen.

Dieses Gaffen wie in einen Zookäfig hinein, wo man sich selbst darin bestätigt fühlt, vielleicht ein kleines, beschissenen Leben zu haben, aber so lange man nicht so heruntergekommen ist wie diese Witzfigur Doherty, der trotzallem seinen Traum als Musiker gelebt hat, ist ja noch alles in Ordnung!

In was für einer Welt leben wir eigentlich manchmal!?

So läuft das nämlich in der Presse. Hauptsache man bekommt genug Geld und Wertschätzung für das größe Skandalfoto. Wenn also nun kein Foto mehr von Kriegsopfern reicht nehmen wir halt Peter Doherty, den Vollidioten, der sich zum Affen macht.

Gebt dem Affen mehr Zucker (Heroin) und helft ihm ja nicht seine wahren Probleme zu erkennen, sondern bejubelt ihn für seine verantwortungsloses Handeln und Tun und macht ihn damit zum König der Affen!

So schien es mir damals hin und wieder vorzukommen, als Pete jede Woche in diversen Zeitungen und Artikeln war, deren Berichterstattung nun gar nichts mehr mit seiner Musik zu tun hatte.

Fakt ist, Pete hat seelische Probleme. Eine Künstlerseele, die sich lieber betäubt als den Herzschmerz, wo auch immer er herrührt, in der Realität ertragen zu müssen. Durch die Musik hat dieser immer noch junge Mann ein Ventil gefunden, das ihn zumindest nicht komplett abstürzen lässt.

Es war immer sein Traum, die Bühnen dieser Welt zu bespielen und das hat er auch geschafft. Man kann sich jetzt streiten wie seine Karriere ohne Heroin ausgesehen hätte und wo er dann wohl heute wäre, kommt damit aber nicht weiter.

Fakt ist, es waren sicherlich nicht die Drogen, die seine Kreativität gefördert haben. Sie haben ihm definitiv geschadet!

Der Mann hat nämlich schon zu „Libertines“ Anfangszeiten 2002 geniale Musikstücke mit seinem Kumpel Carl Barat verfasst, ohne dabei beteits vom Drogenrausch vergiftet gewesen zu sein.

Deren Niedergang war rückblickend schon eines der ersten einschneidenen Erlebnisse in Petes Leben, die definitiv auf seine Drogensucht zurückzuführen sind. Kumpel Carl Barat nämlich, ein klarer Gegner von jeglichen Suchtmitteln, konnte seinen zugedröhnten Bandkollegen irgendwann nicht mehr neben sich auf der Bühne ertragen.

Deshalb beendete man das Projekt im Jahr 2004, erst zwei Jahre nachdem an Englands Brit Pop Himmel endlich wieder ein ehrlicher und vertrauenswürdiger Stern aufgegangen war.

Dem umjubelten und tatsächlich meisterhaften Erstlingswerk „Up The Bracket“ folgte mit dem selbstbetitelten „The Libertines“ ein deutlich düsteres Zweitwerk, zwischen desen Strophen man den nahenden Absturz vom Songschreiber Doherty schon deutlich heraushören konnte.

Liedzeilen wie „Cornered the boy kicked out at the world…the world kicked back alot fuckin` harder now“ aus dem Song „Can´t stand me now“ und „But when I come round on your floor I wish I’d never been born. Can you see me? Can you see through it all? I’m empty lost and alone, oh won’t you heed my call?“ aus dem Song „The Ha Ha Wall“ waren nichts anderes als Hilfeschreie aus einem drogenverseuchten Körper.

Die „Libertines“ waren also erstmal Geschichte.

Trotzallem das sie genaugenommen nur zwei Jahre Bestand hatten, haben sie der Welt eine beträchtliche Schatzkiste voller toller Musikaufnahmen und Guerilla Live Auftritten hinterlassen. Kein Wunder also, das die Verehrung dieser Band bis zum heutigen Tag tatsächlich einem Mythos gleichkommt.

Pete machte danach weiter und gründete die Babyshambles. Auch dort verstand er es mit seinen teils melancholischen, teils Brit-Pop und Garage Rock ähnlichen Stücken die Aufmerksamkeit wenigstens ein kleine wenig weg von seinen Skandalen hin zur Musik der „Shambles“ zu bewegen.

Das die Drogenabstürze und die Live Auftritte dabei immer mehr Hand in Hand gingen ist wohl eine unverweigerliche Symbiose, die so immer wieder auftritt, wenn der Starruhm zu groß wird und das Herz eigentlich zu klein ist für diese oft künstliche Boulevardwelt, in der man möglichst alles wegzulächeln hat, ganz egal wie groß die persönlichen Probleme auch sein mögen.

Fakt ist auch, das das „Hamburger Abendblatt“ damals nach Konzertankündigungen der „Babyshambles“ täglich ein Pete-O-Meter abgedruckt hat, auf dem ersichtlich war, wie wahrscheinlich das Konzert am besagten Tag stattfinden würde.

Mit Verlaub, das Peter-O-Meter schlug nicht wirklich nach oben aus und das Glück, ein Babyshambles Konzert tatsächlich live erleben zu dürfen war in mancher Zeit der Wahrscheinlichkeit ähnlich, einen Sechser im Lotto zu landen.

Kam es dann doch mal zu bis heute legendären Live Auftritten, wurden diese weiter überschattet, wenn Pete sturzbetrunken auf, und unter einem gellenden Pfeifkonzert gleich wieder von der Bühne ging, wo er sich dann bis aufs Blut erbrach.

Oder er eines lauen Samstagabendgigs im Münchener Backstage vollkommen von allen guten Geistern verlassen die erste Strophe des „Deutschland Liedes“ anstimmte.

Oder er mit dem deutschen Schauspieler August Diehl eines nachts nach einem Drehtag für den Film „Confession“ unter Drogen und Alkoholeinfluss in ein Regensburger Musikgeschäft einbrach, um dort gewisse Einzelstücke gewisser faszinierender Saiteninstrumente und gewisse Schallplatten zu entwenden.

Wenn Pete mal wieder kurz davor war, entweder in die Reha eingewiesen zu werden oder gleich in den Knast zu wandern (ohne wie im Spiel Monopoly vorher noch abzukassieren) schrieb er einfach einen Song. Er nahm seine Gitarre und tüftelte tage oder wochenlang an einem neuen Lied. Man konnte fast sagen er presste es aus sich heraus. Das ging mit der Musik lange gut, aber eben nicht mit den Drogen.

Zwischendrin hatte er Beziehungen zu Topmodels aus aller Welt. Für Schlagzeilen sorgten dabei am meisten seine Liebesbeziehungen zur englischen Singer- Songwriterin Lisa Moorish, dem südafrikanischen Topmodel Lindi Hingston und schließlich dem allseits bekannten Topmodel Kate Moss, die selbst kein Kind von Traurigkeit ist wenn es um Drogenpartys geht.

Moorish hat aus diesen Tagen einen Sohn von Dohery und Hingston hat eine Tochter von ihm. Ich schreibe hier gezielt von ihm und nicht mit ihm. Da er weder mit der einen noch mit der anderen wegen der ständigen Drogenprobleme eine längere Beziehung aufrechterhalten konnte, sah er seine Kinder seitdem dementsprechend wenig bis gar nicht.

Kate Moss wiederrum setze ihn damals vor die Türe als sie ein Testament von Doherty fand und er ihr daraufhin seine Selbstmordphantasien gestand.

Es folgten Knastaufenthalte und Reha Besuche von Pete, wobei er sich meisten für die Reha statt für das Gefängns entscheid, nur um danach wieder dem Drogenteufe zu verfallen und ordentlich Heroin zu spritzen.

Trotz der ganzen Skandale, dem dahin vegetieren dank des Heroins, den verkorksten Beziehungen und dem hin und herpendeln zwischen Gefängnis und Reha schaffte es Pete immer wieder, zwischendurch tolle Alben zu veröffentlichen.

Sei es nun das Erstlingswerk „Babyshambles“, das hoch bejubelte „Shooters Nation“, desen Nachfolger „Sequel To Prequel“ oder seinem akustischen Einzeldebüt „Grace/Wastelands“

Irgendwann aber, das musste selbst ein Peter Doherty feststellen, ist selbst die größte Party einmal vorbei. Irgendwann nämlich rechte es nicht mehr, die Gitarre in die Hand zu nehmen, einen Song zu schreiben und so vor seinen eigenen Geistern zu fliehen.

Seine Live-Auftritte wurden zu seinem persönlichen Albtraum für ihn und seine Songs so düster, das er sie nur spielen konnte, wenn er wirklich auf allen Linien breit war.

Zu viele Verluste. Verluste der Kindheit. Verluste von Freunden. Verluste von Sohn und Tochter, die er erst einmal in seinem Leben gesehen hatte. Verkorkste Beziehungen. Selbst die Drogen und die Musik betäubten nicht mehr. Suizid schien die nächste Haltestelle im Dohertys Schnellzug zu sein.

Doch es sieht aus als hätte er nochmal die Notbremse gezogen. Es gibt im Moment tatsächlich Licht am Ende des Tunnels bei Pete. Und ich meine damit nicht seinen ankommenden Zug, der ohne Gnade weiterfährt gegen die nächste Wand. Ganz im Gegenteil. Es riecht nach einer Wende, die so niemand mehr für möglich gehalten hätte.

Peters letzte Chance war ein gnadenloser Entzug in Thailand. Das erste Mal stand er dabei in einem Entzug die komplette Detox Phase durch. Stand Ende 2014!

Ob er wirklich genesen ist? Man weiß es nicht! Zu viele Rückfälle hat es bis hier hin gegeben. Fakt ist aber das seine erste und beste Band, die Libertines wieder ein Album aufnehmen wollen. Ganz wie in alten Zeiten. Nur diesemal ohne Drogen. Fünf neue Songs sind derzeit verfasst.

Selbst Libertine Mitgleid Carl Barat musste sich erstmal kneifen als er bei Peter in Thailand zu Besucht war. So war er durchaus überrascht von Peters positiver Ausstrahlung und desen für einen langjährigen Drogenabhängigen doch recht gefestigten Gesundheitszustand.

Man darf also gespannt sein auf ein neues „Libertines“ Album, welches leider noch kein Veröffentlichungsdatum trägt. Peter Doherty einmal nüchtern auf der Bühne zu erleben, das wäre wohl wirklich ein Moment von dem man seinen Enkelkindern noch berichten könnte.

Ich hoffe es für ihn, den ich habe Peter immer für seine Musik bewundert, nicht für seine Drogen. Wenn also die Drogen wegfallen, bleibe ich weiterhin ein Peter Doherty Fan.

So, come on Pete, take your fuckin´ guitar and play us some nice songs 🙂

Seine bisher neueste Veröffentlichung heißt übrigens „Flags Of The Old Regime“ welches einen Tribut an die 2011 an einer Alkoholvergiftung verstorbenen Amy Winehouse darstellt.Diese Veröffentlichung kündigt gleichzeitig sein heiß erwartetes zweites Soloalbum an.

So darf man sich also nicht nur über ein neues Libertines Album freuen, sondern auch noch über ein paar wunderbare Solostücke von einem „cleanen“ Pete.

Alle Einnahmen durch den Song gehen dabei an die Amy Whinehouse Foundation, die benachteiligten Kindern, die durch Alkohol- und Drogenprobleme in Not geraten sind, hilft.

Peter hätte ihr in den letzten Jahren, und alles hatte danach ausgesehen, auf jeden Fall folgen können. Er hat sich für das Leben entschieden.

Das so geliebte Rauchen hat er dabei noch nicht aufgegeben, wie man im Video weiter unten sieht, der gute Pete, aber aller Anfang ist schwer 😉

Viel Spaß also mit dem Mann, über den die die britische Singer- und Songwriterin Amy Macdonald („This Is The Life“) sagt, sie hätte nach einem inspirierenden Live-Auftritt von ihm in Glasgow zum ersten Mal in ihrem Leben gewusst, was sie werden wollte.

Musikerin nämlich!

Das beste von den „Libertines“, hin zu den „Shambles, bis zu Peters Soloprojekten

Viel Spaß,

Flow

Libertines

Babyshambles

Peters Solokarriere

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