„Dancing Shoes“

„Das sind nicht meine Fußballschuhe, das sind meine Tanzschuhe“.

Dieses Zitat des nordirischen Kickers George Best, welches er damals einem Trainer bei Manchester United entgegenschmetterte, beschreibt den Mann, den viele nur als „Simply the Best“ kennen wie kein anderes.

Von ersten bis zum letzten Profispiel (1963 bei Manchester United bis 1984 bei Tobermore United) bewegte und verzauberte Best die Maßen mit seinen unnachahmlichen Auftritten auf dem Fußballplatz.

Wer war also dieser George Best?

Hierfür schickt sich die von Dietrich Schulze-Marmelig verfasste Biografie über Best an. Sie ist in ihrer Seriösität allen englischen Bios überlegen.

Ich bin begeistert wie detailiert Schulze-Marmelig die wichtigen Stationen im Leben des George Best beschreibt. Dabei wirkt das Buch aber in keiner Sekunde langweilig oder langatmig.

Mit dem Buchtitel „Der ungezähmte Fußballer“ lässt sich erahnen, das Best als Spieler ein Individualist und Querkopf auf und neben dem Platz war.

Blicken wir also zunächst auf seine sportlichen Erfolge.

An der Seite des Engländers Sir Bobby Charlton und des Schotten Denis Law begründete der „East Belfast Boy“ George Best damals bei Manchester United den Mythos des „United Trinity“, auch bekannt unter dem Synonym „Holy Trinity“.

Trainiert und zusammengefügt wurden sie damals vom legendären Coach Matt Busby, der George Best bereits 1963 im Alter von 17 Jahren zum Profidebüt bei United verholfen hatte.

Der damalige Talentscout Bob Bishop sollte recht behalten als er damals über Best zu Busby sprach: „I think I’ve found you a genius.“ (deutsch: „Ich denke, ich habe für Dich ein Genie entdeckt.“)

Das „United Trinity“ erlangte in den 60 Jahren europaweit große Berühmtheit, was sich auch im Gewinn der Wahlen zu Europas Fußballer des Jahres  wiederspiegelt (Law 1964, Charlton 1966 und Best 1968)

In ebendiesem Jahr, in dem Best am Saisonende den Ballon D´or erringen konnte, erreichte auch das „Trinity“ mit der Mannschaft ihren bis dato größten sportlichen Erfolg .

So hielt United am Ende der Saison 67/68  den Europapokal der Landesmeister in seinen Händen. ManU war damit die erste englische Mannschaft überhaupt der dieser Triumph gelang.

Im deutschen Fußball sucht man schwer nach einem Vergleich, findet das in Ansätzen aber wohl im sogenannten „Magischen Dreieck“. Gebildet wurde es in der Bundesligasaison 95/96 beim VFB Stuttgart mit den Akteuren Balakov, Bobic und Elber.

Damaliger Höhepunkt war ein Triumph im DFB Pokalfinale. Kein Vergleich also zu Uniteds Europapokalcoup.

Bis heute kann man das „Holy Trinity“ auch vor den Toren des „Old Trafford“ Stadions  besuchen. Eine Statue des Trios steht hier seit ihrer Enthüllung im Mai 2008.

George Best war dabei bis 1974 für United in vielen Spielen das Zünglein an der Waage. Ein Mann für die großen Momente sozusagen. Einem, der über  Taktik und Bewachung durch Gegenspieler erhaben war.

Allerdings gelang es der Mannschaft in den darauffolgenden Jahren nicht mehr an ihre alten Erfolge anzuknüpfen. Man hatte es verpasst die Jugend nachzuziehen.

Matt Busby setzte zu lange auf die „alten Eisen“, die irgendwann aber nicht mehr fähig waren die Kohlen für United aus dem Feuer zu holen.

1969 beschloss die Vereinsführung deshalb sich von Busby zu trennen. Diese Entscheidung betraf indierekt auch George Bests weiteren Karriereverlauf.

Mit Matt Busby verlor George Best nämlich seinen größten Fürsprecher und Förderer.

Best machte keinen Hehl daraus das ihm das nicht passte. Seine Auftritte für United wurden immer eigenwiliger und weniger mannschaftsdienlich.

Oft übersah er in den darauffolgenden Spielzeiten den besser positionierten Mitspieler und verhedderte sich in Dribblingaktionen.

Nebenbei eröffnete er zwei Nachtklubs in Manchester und machte neben dem Platz eher mit Suff und Sexeskapaden von sich reden.

Die englische Boulevardpresse dankte es ihm mit großzügigen Berichten auf den vorderen Seiten.

Mit der Mannschaft ging es derweil noch weiter bergab, was in der Saison 73/74 sogar im Abstieg in die zweite Liga mündete.

Bei diesem Tiefpunkt allerdings war George Best schon kein Teil der United Mannschaft mehr. Er hatte sein letztes Spiel 01.01.1974 für United bestritten gegen die Queens Park Rangers.

Best allerdings hatte auch einen erheblichen Anteil daran das es vom Europapokalgewinn weg stetig bergab ging mit Manchester United. So war er häufig angetrunken zu den Trainingseinheiten erschienen und war oft tagelang vor wichtigen Spielen schlichtweg nicht aufzufinden.

Meistens vergnügte er sich währendessen mit irgendwelchen Playboy Sternchen oder ballerte sich tagelang seine Rübe in einem Pub zu.

Das alles aber steht in keiner Relation zu den magischen Momenten, die er an guten Tagen neben seinen Kollegen für die „Red Devils“ auf den Platz zauberte.

Das bestätigt auch bis heute ein Eintrag auf der Manchester United Website welcher sich folgendermasen liest:

“Right away, you could see the great chemistry between them. Great players know how to play together. However tough the match was, you always knew Bobby could unleash one of his strikes from God-knows-where. Dennis would something out of nothing inside the box or George would just do something magical.”

„Von Anfang an konnte man die gute Chemie zwischen Ihnen sehen. Großartige Spieler wissen wie man zusammen spielt. Egal wie hart ein Spiel war, du wusstest immer das Bobby von Gott-weiß-wo einen seiner Schüsse entfesseln konnte. Dennis machte im Strafraum etwas aus dem nichts oder George macht einfach etwas magisches.“

Pat Crerand: United Trinity: The power of three – Official Manchester United Website[

 

Die 470 Spiele mit 179 Toren für die „Red Devils“ klingen im esten Moment nicht unbedingt wie eine magische „Best“ Marke. Es gab vor ihm bessere Torjäger und nach ihm sowieso. Viel mehr ist es die Art und Weise der erzielten Tore die beeindruckt.

Best war ein Dribbelkünstler und seiner Zeit auf dem Platz weit voraus. Er war ein Alleinunterhalter und Showman zugleich. Daneben ein Virtuose und Künstler mit dem Ball wie es seinesgleichen wohl keinen gegeben hat und voraussichtlich nie mehr geben wird.

Den Toren ging quasi nicht selten eine klassische Overtüre voraus mit der Best Ball und Gegner schwindlig spielte.

Aus sportlicher Sicht ist er heutzutage wohl am ehesten mit Lionel Messi zu vergleichen, der jedoch mit dem „Enfant Terrible“ von Best auf dem Platz nicht hätte mithalten können.

Zeitweise tunnelte George Best Spieler auf dem Platz mit Ansage doppelt und dreifach hintereinander und spielte mit des Gegners Schienbeinen Doppelpass. Dieses Spielchen hatte er sich jahrelang in den Strassen von Belfast selbst beigebracht.

Oft lief den ganzen Nachmittag nach der Schule durch die Gegend und spielte dabei mit den unebenen Randsteien der Stadt Doppelpass, indem er im Lauf immer wieder einen Tennisball dagegenbugsierte und diesen wieder aufnahm.

Überhaupt erfand Best recht unkonventionelle Methoden um seine sportlichen und spielerischen Qualitäten zu verbessern. So trat er als Jugendspieler häufig mit einem Turnschuh am rechten Fuß und einem Fußballschuh am linken Fuß auf den Platz.

Er wollte mit aller Gewalt seinen linken Fuß trainieren. Was er dadurch auch schaffte.

Mit dem Turnschuh am rechten Fuß konnte er auf einem Fußballplatz keine Großtaten verbringen. So musste er sich auf seinen linken Fuß besinnen der im Fußballschuh steckte.

Beidfüßigkeit war in den siebziger Jahren nicht sehr weit verbreitet und machten ihn zu einem noch wertvolleren Spieler als er äh schon war.

Ich komme nochmal kurz zurück auf den Vergleich Messi/Best. Es wäre interessant zu sehen wer von den beiden geschmeidiger durch es Gegners Reihen tanzt.

Lionel Messi jedoch genießt heutzutage einen entscheidenen Vorteil.

Er dribbelt in einer Zeit in der Künstler und Ballvirtuosen besser geschützt werden als äh und je. Üble Foultritte werden nicht selten mir Roten Karten und lange Sperren belegt.

Zudem ist die erste spanische Liga, die Primera Division, nicht gerade für ihre übermäßige Härte bekannt.

George Best jedoch agierte mit seinen Zirkuseinlagen in der Premier League der „wilden Siebziger“ Jahre. Hier war es an der Tagesordnung das Schönspielerei sofort niedergetreten wurde und es in jedem Team einen sogenannten „Enforcer“ gab.

Dieser war im Endeffekt nur dafür zuständig das Spiel des Gegners zu zerstören. Das hieß den besten Spielern des Gegnes solange auf die Füße zu steigen bis sie keine Lust mehr am Spiel hatten.

Der Spieler der Foul spielte kam auf alle Fälle besser aus diesem Duell weg als der Gefoulte. So wurde von den Premier League Schiedsrichtern eine „gesunde Härte“ durchaus toleriert.

Üble Verletzungen an Schienbein und Sehnen wurden daher billigend in Kauf genommen.

Für den Gefoulten konnte ein Einsteigen des Gegenspielers in der damaligen Zeit im schlimmsten Fal also das Karriereende bedeuten. Somit verstauten viele gesegnete Fußballkünstler ihre Dribbelkünste lieber in einer Kiste auf dem Dachboden, ohne diese jemals wieder gegen diverste knochenharte Verteidiger auszugraben.

George Best aber ließ sich davon nicht beeindrucken. Er liebte das -Tunneln und Umkurven seiner Gegenspieler.

Dies tat er mit einem solchen Hochgenuss wie andere eine Mousse au Chocolate auf ihrer Zunge zergehen ließen.

Die englische Liga jedoch ist bis heute auf Physis und Zweikampfverhalten ausgelegt. Das war zu Bests Zeiten noch deutlicher der Fall und auch das Publikum in Manchester legte Wert auf diese Attribute.

Alles andere wurde als „weibisch“ und „verweichlicht“ abgetan.

Oft genug skandierte es im „Old Trafford“ Stadion zu Manchester deshalb nicht nur aus dem gegnerischen Block  „Bestie where´s your Purse (Handtasche)“?

George Best jedoch wusste sich auch hier zu helfen.

So hat er sich einmal vor dem Einlaufen ins Stadion die Handtasche einer älteren Dame geliehen und sich diese über das Handgelenk gelenkt. So stolzierte er auf den Platz.

Best hatte damit die Lacher der ganzen Arena auf der Seite. Typisch.

Irgendwann merkten selbst der unbelehrbarste Teil der gegnerischen Fans das Schmähgesänge in Richtung George Best nicht unbedient dienlich für ihre eigene Mannschaft waren. Den war erstmal ein Lied über ihn angestimmt worden auf den Rängen wurde er von Spielminute zu Spielminute besser.

Best liebte Herausforderungen und ließ sich nur allzu gerne anstacheln. Seine Antworten auf die Verunglimpfungen folgten meist prompt auf dem Platz.

Doch wer jetzt denkt Best wäre nur en Schönspieler gewesen der sicht nicht schmutzig machen wollte irrt gewaltig. Sicher war er mit seinem eher schmalen Körperbau und wenig Fett auf den Rippen nicht gerade gesegnet für die harte englisch Liga.

Dies hielt ihn allerdings nicht davon ab in jeden angebotenen Zweikampf einzusteigen. Wenn es die jeweilige Situation erforderte konnte grätschte und tackelte er sich seinen Weg frei.

Das machte ihn zu einem uneberechenbaren Widersacher, der sowohl über das schöne Spiel wie auch über den Kampf seine Gegenüber zur Weißglut trieb.

Einmal soll er seinem Gegenspieler den Rat gegeben haben sich in der Halbzeit die Füße mit Tape zusammenzukleben. Damit er von ihm nicht mehr getunnelt werden kann in Hälfte zwei.

Daneben war George Best der Mann für die magischen Momente. Der ein Spiel, so aussichtslos seine Mannschaft auch zurücklag, mit einer Aktion drehen konnte.

Noch eine Parallele zu Messi oder Ronaldo und wie sie heute alle heißen. Nur eben wie oben angesprochen zu einer anderen Zeit und einer anderen Fußballwelt

Und selbst den Peles und Cruyffs seiner Zeit konnte er in dieser Hinsicht die Show stellen. Einfach indem er keine Show machte wenn es darum ging einen Job zu erledigen.

Best diktierte seine Mitspieler nicht wie ein aufgeblasener Feldwebel über den Platz, weil er selber nicht diktiert werden wollte und konnte.

Er erledigte seine Arbeit ohne großartig Aufhebens um seine Person zu machen. Hackenschläge und Dribblings brachten ihm so oder so stehende Ovationen ein.

Deshalb zelebrierte er seine Tore eher im Kleinen.

Keine überdrehten Windmühlenjubler. Kein Trikot ausziehen. Keine eingeübte Jubelchoreografie. Tor schießen. Mund abputzen. Nachlegen. Muss man nicht gut finden. Kann man aber.

In einer Zeit, in der Stürmer  nach dem Torerfolg Spiderman Masken aufziehen die mit einem eigenen Werbepartneraufdruck bestückt sind oder alle 11 Spieler sich zu einer riesigen Jubeltraube zusammenfinden , kaum mehr vorstellbar. Doch denken sie sich einfach mal wie sie es fänden wenn eine Feuerwehrmannschaft nach jedem gelöschten Brand Arme schwingend übereinander herfällt oda sich gemeinsam laut gröhlend auf den Boden schmeißt.

So sah es auch George Best. Es galt eine Arbeit zu erledigen. Ein Tor war duchaus pure Befriedigung. Aber letztendlich galt es eine Aufgabe zu Ende zu bringen. Dann lieber schnell das zweite nachlegen und den Sack zumachen.

Ein weiteres Kapitel tut sich auf wenn man George Best und seine nordirische Herkunft betrachtet. Er kickte dabei immer gegen alle Kritiker an, die von ihm eine klare Aussage bezüglich der „Troubles“ in seiner Heimatstadt verlangten.

Das hatte seine Gründe. Bests ganze Karriere war untrennbar verbunden mit dem Nordirlandkonflikt. Wohl eher zufällig verliefen seine Karriere und die Klimax der sogenannten „Troubles“ Hand in Hand.

Sicher war er nicht direkt betroffen. Er betrachtete das ganze von Manchester aus. Dort war er frei. Er musste sich nicht auf bestimmte Viertel beschränken in deren Pubs er eine Pint trinken konnte.

In Manchester gab es keine konfesionelle Segretion zwischen einzelnen Communitys. Ganz im Gegenteil. Manchester besaß eine große Künstlercommunity und George Best war als Zauberer auf dem Platz quasi einer von ihnen.

Er schien eher unbeeindruckt von den Ereignissen in seiner Heimatstadt welche von 1969 bis 1998 mehr als 3500 Menschen in den Tod rißen. Zumindest ließ er sich nichts davon anmerken.

Tief im Inneren aber hat ihn das Ganze wahrscheinlich mehr als beunruhigt. Seine Familie lebte ja weiterhin in Belfast. Die Eltern einschließlich seiner 5 Geschwister. Sie alle bekamen die volle Wucht des Konflikts ab.

Dickie Best, der Vater von George war keineswegs ein Hardliner wenn es darum ging, für seine Konfession einzustehen. Aber da der Familiensitz in East Belfast lag, wo 85 Prozent der dort lebenden Leute Protestanten waren und bis heute sind, konnte sich dort keiner den Geschenissen rund um die Stadt entziehen.

Bests Vater war sein Leben lang Mitglied im Oranierorden. Alles andere als aussergewöhnlich wenn man in diesem Belfaster Stadtteil lebte. Als kleiner Junge hatte George Best deshalb auch gelegentlich einen Oranier Banner bei Paraden umhergetragen. Nichts weltbewegendes.

Nebensächlich. Solange George Best nicht berühmt war und die „Troubles“ in Belfast überhand nahmen. Beides aber war 1970 eingetroffen.

Es war, so verrückt wie es klingen mag, ganz normal das deshalb der paramilitärische Arm der Irish Republican Army erwägte, George Best umbringen zu lassen. Ebenso seine Familie. Es war eine verrückte Zeit.

George Best lebte bekannterweise schon lange in England. Damit war er ein schwieriges Ziel. Seine Familie, die stets im Burren Way 16 in Belfast geblieben war, jedoch nicht.

Best und sein damaliger Trainer Matt Busby wollten die Familie deshalb immer wieder überzeugen nach Manchester zu kommen. Dort hätten sie sich ohne Probleme mit der Hilfe von United niederlassen können.

Dickie und Anne Best aber wollten nicht weg aus Belfast. Sie wollten ihrer Community treu bleiben. Auch oder gerade wegen der realen Gefahr.

Einen gezielten Anschlag auf die Best Familie sollte es nie geben. Aber die ständige Angst davor war schlimm genug.

Bis heute wird gemunkelt das die Troubles und die Berühmtheit ihres Sohnes zu viel geworden sein könnten für George Bests Mutter Anne. Eine Frau die nach aussen hin immer stark wirkte und heimlich zu trinken begann.

Ihr Tod durch die Alkoholsucht erlangte weit nicht den Medienaufschrei welchen später George Best verursachen sollte.

Jedoch kann man davon ausgehen, das das Ableben seiner Mutter, die mit 57 Jahren ging, George Best nochmal deutlich wütender werden ließ auf den Nordirlandkonflikt, der so viele Familien auseinanderriss.

Best äußerte sich nie über seine Gefühle oder seine Einstellung zu den Geschenissen in Nordirland. Auch aus dem Lager der Loyalisten hätte man sich klare Zeichen oder Bekenneraussagen des berühmten Sohnes der Stadt gewünscht.

Er tat es aber nicht. Er tat nichts. Sicher aus einem gewissen Selbstschutz heraus und natürlich zum Schutz seiner Familie.

So sprach sich George Best zwar immer wieder für eine vereinigte irische Fußballmannschaft aus, begründete dies aber damit, dass man hier wie im Rugby die politische Sache dem sportlichen Erfolg des Landes unterordnen sollte.

Dieser Wunsch resultierte auch aus seinen eigenen Erfahrungen im Nationalteam. Trotz der großen Erfolge im Verein blieb es George Best verwehrt sein Können auf der großen Bühne einer Welt- oder Europameisterschaft zu zeigen.

Die Gründe dafür waren simpel. Nordirland scheiterte zu Bests Zeiten stetig an der Qualifikation zu den jeweiligen Turnieren.

Hier spiegelt sich eine alte Fußballregel wieder. Jedes Team funktioniert nur so gut wie seine einzelnen Bestandteile.

Mit Best hatte man den vielleicht kreativsten Mittelfeldmotor seiner Zeit in der IFA Auswahl. Mit ihm waren noch ein paar weitere Ausnahmekicker für Nordirland am Start. Das allein jedoch reichte nicht aus.

Den entweder besaß die nordirische Auswahl in diesen Jahren am Ende nicht das nötige Fortune oder es fehlte an der nötigen Unterstützung durch das Land.

Das gleiche Schicksal wie den Nachbar im Norden ereilte zuweilen auch die Auswahl der Republik. Eine handvoll guter Spieler und eine ganze Menge Mittelmäßigkeit. Ebenso unbefriedigend.

Deshalb war Bests Wunsch nach Vereinigung  aus sportlicher Sicht absolut nachvollziehbar. Gemeinsam hätte man eine schlagkräftige Truppe zusammengestellt, der durchaus der ein oder andere Nadelstich zwischen den großen Fußballnationen zuzutrauen gewesen wäre.

Doch allen Wünschen Bests zu trotz, und sein Wort hatte durchaus Gewicht in ganz Fußball Irland, scheiterte sein Wunsch an der Dickköpfigkeit einzelner Entscheidungsträger.

Die Angst der Loyalisten duch eine gemsamtirische Mannschaft eventuelle berechtigte Begehrlichkeiten für eine Wiedervereinigung auch auf staatlicher Sicht zu wecken, war zu groß.

Ebenso die Angst vor Vergeltung durch diverse Paramilitärs wenn katholische Kicker den loyalistischen Boden im „Windsor Park Stadion“ zu Belfast entweihen würden.

All das begrub letztendlich den Traum einer gesamtirischen überkonfesionellen Auswahl.

Eine Ausnahme stellt hierbei sicherlich die letzte Europameisterschaft dar. Wie es George Best wohl gegangen wäre bei dem Gedanken das 2016 sogar beide Teams, die irische wie die nordirische, zu einer Europameisterschaft reisen?

Man möge sich nur ausmalen was in den Städten losgewesen wäre wenn beide Mannschaften gar in Finalspielen aufeinander getroffen wären.

Es wäre auf alle Fälle ein historischer Moment gewesen. Genauso historisch wie das Aufeinandertreffen der beiden deutschen Auswahlen im Jahr 1974, welches die DDR zwar für sich entscheiden konnte, das Team der Bundesrepublik dies allerdings mit dem späteren Weltmeistertitel quasi als Nebensächlichkeit abhaken konnte.

Trotzdem, obwohl er es sicherlich nie zugegeben hätte, schaffte George Best an Spieltagen von Manchester United hin und wieder das Unmögliche.Er half den Leuten die Sorgen und Nöte rund um Irland und rund um die Troubles zumindest für 90 Minuten hinter sich zu lassen.

Über alle Grenzen und Konessionen hinweg wurden dann Iren in ManU Trikots gesichtet. Wenn Best spielte stand die Zeit und somit der Terror still.

Man war sich einig das George Best ein irisches Schlitzohr und Genie sei und es deshalb keine Rolle spielte aus welchem Teil des Landes er komme. Auf alle Fälle machte er durch seine Herkunft auch all seine Landsleute ein bisschen berühmter auf der fußballerischen Landkarte.

George Best selbst schien es auch egal ob man in den Gazetten über ihn als Northern Irish oda als Irish sprach. Hauptsache irisch. Das war ihm wichtig. Er lebte die irische Kultur neben und auf dem Platz.

Nicht ausgenommen natürlich diverse Pubbesuche und Trinkgelage.

Nicht umsonst ist einer seiner berühmtesten überlieferten Zitate das folgende Statement: „Ich habe mein Geld für schnelle Autos, Frauen und Drinks ausgegeben. Den Rest habe ich verprasst“. Schwarzer Humor wie er leibt und lebt. Dafür liebten ihn die Leute.

Und hiermit kommen wir zur anderen, vielleicht dunklen Seite von George Best. Die Bestie in Best sozusagen.

Nur der Teufel Akohol vermoche diese Seite von ihm ans Tageslicht zu bringen. Aber sie war ein Teil von ihm. Er verleugnete das auch gar nicht.

Auch das unterscheidet ihn wieder von vielen anderen die das Leben und die Mitmenschen für ihre Misere verantwortlich machen. Er beschuldigte nichts und niemand dafür das er sich im Alkohol ertränkte.

Er tat es einfach.

Bests Lebensmotto war simpel. Er tat das was er wollte und ließ es nie soweit kommen das andere über ihn entscheiden konnten.

Er richtete immer für sich selbst. Somit konnte er auch nie jemand anderen in die Verantwortung nehmen, wenn etwas schief ging in seinem Leben.

Er stand immer für sich und seine Entscheidungen ein. Das wurde ihm immer hoch angerechnet.

Best war kein Heiliger und besaß wie jeder Mensch seine Schwächen.

Seine tödlichste Schwäche war wohl, das er einen ihm angebotenen Drink nicht ablehnen konnte. Dazu hatten die Fußballfans in dieser Zeit eine einfache Einstellung wenn es darum ging ihren Stars zu huldigen.

Wenn du einen triffst, gib ihm einen aus. Somit soff sich Best quasi unverschuldet durch alle Pubs in Manchester.

Ein Teufelskreis begann.

Irische Abstammung. Freie Zeit am Nachmittag nach Training und Spielen. Keine PR oder Pressetermine.

Keine großartige Ablenkung durch Fernsehen oder Medien. Ab in den Pub. Party On.

Best lies es jahrelang richtig krachen. Er fuhr pfeilschnelle und teure Autos, soff wie ein Loch und holte sich jede Woche eine neue Miss World ins Bett.

Dazwischen nahm er kein Blatt vor den Mund wenn etwas zu sagen hatte. Viele beschimpften ihn als Großmaul.

Großen Ansagen ließ Best aber auch große Taten folgen. Er lieferte. Auf dem Platz. Da wo ja bekanntlich die Wahrheit liegt.

In Zeiten wo es noch keine sozialen Netzwerke und Shitstorms gab, füllte Best trotzdem Titelblatt an Titelblatt der Klatsch und Tratschblätter.

Irgendwann jedoch konnte er seine selbstzerstörerische Seite nicht mehr mit seinem Profidasein vereinbaren.

Nach dem Ausscheiden bei United begann seine Odysee durch Fußballeuropa. Zwischenzeitlich stand er sogar auf anderen Kontinenten auf dem Platz.

Unter anderem in Amerika an der Seite des deutschen Bayern Bombers Gerd Müller.

Am Ende standen Gastspiele in über 18 Profivereien zu Buche.

Die Aufenthaltszeit bei den jeweiligen Vereinen wurde dabei jedoch immer kürzer und die Farben der Trikots wechselte er zeitweise schneller als seine Unterhosen.

Die einzige Konstante war zu dieser Zeit erschreckenderweise sein Alkoholkonsum, welcher ihm später noch eine Lebertransplantation und letztendlich sein Leben kosten würde.

Bei dem ganzen Trubel um seine Person und seine Gabe Skandal an Skandal zu reihen wird oft vergessen das Best eine smarte Person war, der sich seiner sozialen Aufgabe als Vorbild durchaus bewusst war.

Smart deshalb weil er, egal was er tat, es mit Stil tat. Ob es nun galt Pints im Pub hinunterzustürzen oder auch einen Gegner auf dem Platz die Beine schwindlig zu spielen. Bestie war „The Man“.

Auf der anderen Seite löste er z.B. Kreuzworträtsel seiner Lieblingszeitung „The Times“ schneller wie kein anderer und schrieb seinen Frauen das ein oder andere Gedicht. Als er diese selbst verfasste Prosa dann zum „Best“en gab waren seine Herzdamen mehr als erstaunt, hatten sie sowas nicht von einem wie ihn erwartet.

Wenn ihm jemand einen Rat gegen wollte oder ihm jemand etwas verbieten wollte, wurde sein Wettkampfgeist geweckt. George Best tat grundsätzlich das Gegenteil von dem, was man von ihm erwartete.

Wenn es aber darum ging jemanden mit seiner Person einen Wunsch zu erfüllen brauchte er dafür keine Herausforderung. Vor allem die, die schon gestraft waren bevor sie überhaupt ihre ersten Schritte im Leben machen konnten, lagen ihm am Herzen.

Best schrieb sich die Finger wund mit Autogrammkarten für geistig und körperlich behinderte Kindern, egal wie lange die gewünschte Widmung auch sein sollte. Tief im Herzen blieb George Best immer selbst das Kind welches tennisballkickend durch Belfast lief.

Das sollte nicht vergessen werden wenn man über ihn urteilt.

Er ist und bleibt einer der charismatischten Fußballer aller Zeiten. Dass ihn der Alkohol irgendwann ruinieren würde war ihm bewusst, trotzdem trank er weiter.

So blieb er selbst im Sterben ein großer Verweigerer.

Der fünfte Beatle, wie man ihn zweitweise nannte, hat sich letztendlich mit wenig Grandezza, aber brutaler Konsequenz unter die Erde gesoffen.

Wenn man aber so manche Zombietreffen ehemaliger Fußballer und geleckter Stars heute zu sehen bekommt, wenn sie von FIFA und Politik wie Tanzbären vorgeführt werden und Pfötchen bei Pokalauslosungen geben müssen bzw. ihren fachlichen Rat bei fragwürdigen Fernsehsendern zum Besten geben und ihre lustigen Sprüchlein aufsaugen…dann…ja dann…

…wünscht man sich einen wie Bestie, der mitten in die durchgeplante Show gut angeballert hereinwanken würde um Hallo zu sagen, und dem ewig grinsenden Fernsehreporter seine Meinung über den modernen Fußball geigen würde nur um danach dem ebenso anwesenden Model, welches nur der Einschaltquote dient seine Aufwartung zu machen a la Irish Gentleman.

Er würde dem heutigen Systemfußball guttun. Den er würde ausbrechen. In und außerhalb des Platzes.

Er würde dem Tiki Taka Geplänkel ordentlich in den Arsch treten und hätte sicher auch das ein oder andere Wichtige zu sagen wenn es darum geht, für seine Meinung gradezustehen.

Der größten Coup gelang George Best ironischerweise erst nachdem er gestorben war. Irgendwie also ganz nach seinem Geschmack.

Am 20.11.2005 erliegt er mit 59 Jahren einer Lungenentzündung und einem multiplen Organversagen. Eine Legende stirbt.

Seinem Ableben folgte die darauffolgende Beisetzung in Belfast am 03.12.2005. Über 100.000 Menschen säumen den Weg von seinem Elternhaus am Burren Way N. 16 hin zum nordirischen Parlaments- und Regierungssitz.

100.000 Menschen. Das ist ein Rekord. Was aber noch viel größer wiegt ist die Tatsache das Fans dabei waren die unterschiedlicher nicht hätten sein können.

Celtic Glasgow Supporter (Katholiken) wie auch Glasgow Rangers Unterstützer (Protestanten) stehen gemeinsam auf der Straße. Ohne sich gegenseitig blutig zu prügeln.

Das überhaupt ein Katholik in East Belfast mit einer Celtic Glasgow Fahne auftauchen darf ohne das ihm nach dem Leben getrachtet wird, grenzt in der Loyalistenhochburg an ein Wunder.

In East Belfast werden an diesem Tag sogar Union Jack und Loyalisten Fahnen vom Fahnenmast genommen. Das erste Mal seit Jahrzehnten.

Bei der Beisetzung sind auch ehemals verfeindete IRA und UFV Vertreter anwesend. Sie haben mittlerweile mit den beiden Parteien Sinn Fein und der DUP Regierungssitze inne in Nordirland.

An diesem Tag hocken sie Seite an Seite und unterhalten sich über Fußball. Nicht über Politik oder Konfessionen. Unvorstellbar. Gewaltig. Wunderbar.

Das was sich George Best im Geheimen immer gewünscht hat, ein Leben das nicht von Religion oder Politik bestimmt ist in Belfast, erfüllt sich an diesem einen Tag im Dezember rund um die Trauer seines Ablebens.

In jedem Fall ein historischer Tag,

Und wie steht es heute um Best und Belfast? Fakt ist, wenn Sie heute nach Belfast fliegen, kommen sie mit ihm so oder so in Berührung.

Im Mai 2006 wurde aus dem Belfast City Airport nämlich der George Best City Airport.

Somit ist sie am Ende doch wieder zu seiner Stadt geworden.

„The bravest city in the world,

I hope she gets what she deserves

But I´m just trying to make it through this life

Flying into George Best City tonight“

Maradona good, Pele better, George Best.

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2 Gedanken zu “„Dancing Shoes“

    • Danke Pa, stimmt, die Geschichte von George Best zeigt das der Fußball eine Gesellschaft vereinen und Vorurteile abbauen kann, zumindest für 90 Minuten. Schön das es dir gefällt. Danke für deinen Kommentar 🙂

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